Osteopathin Liesa Schmidt – „Man muss als Osteopath/in nicht hochgewachsen sein.“

Bild von Alexander Mallok

Damit Du weißt, wer aus unserer Praxis hier immer wieder mal diese wundervollen Artikel schreibt, kommt heute die wundervolle Liesa Schmidt mal mit einer kleinen Vorstellungsrunde in Form eines Interviews dran. Viel Spaß beim Lesen!

 

Du hast dich für einen alternativ-medizinischen Beruf entschieden. Was hat dich dazu bewogen, Osteopathie zu studieren?!

Mein Geschichts- und Lieblingslehrer in der Oberstufe hat mir nach dem Abitur ans Herz gelegt, etwas mit „Übersicht“ zu studieren, da er der Meinung war, dass eine gute Übersicht über die Dinge meine Stärke sei. Er schlug mir eine Ausbildung zur Fluglotsin vor. Damals habe ich seinen wertvollen Tipp noch nicht verstanden und habe mit dem Studium der Sportwissenschaften sowie Germanistik begonnen. Schnell wurde klar, dass etwas fehlte: die Übersicht. So kam ich 2009 an die zweite Vollzeitschule für Osteopathie Deutschlands und fand, was ich suchte.

 

Was ist das Beste an deiner Arbeit als Osteopathin?

Das Beste ist, dass man nie auslernt. Sich selbst kennen und verstehen zu lernen ist wohl eine Lebensaufgabe, und die Osteopathie kann dabei sehr gut helfen. Man lernt so viele unterschiedliche Menschen kennen und wird jeden Tag aufs Neue belehrt, nicht in Schubladen zu denken, da jede Patientin / jeder Patient seine eigene Geschichte mitbringt, die es in den Behandlungsprozess zu integrieren gilt. Ich glaube, dass jeden Therapeuten im Laufe der Zeit seine Patienten finden und umgekehrt, was die Arbeit meistens sehr harmonisch macht. Es ist schön, abends erfüllt nach Hause zu gehen, auch wenn der Tag vielleicht nicht so motiviert angefangen hat.

 

Es gab in den letzten Jahren einen Osteopathie-Boom. Wo siehst du die Stärken und Schwächen der Osteopathie?!

Die große Stärke ist ganz eindeutig die Individualität, die jede Behandlung ausmacht. Die Philosophie, dass jeder Mensch über Selbstheilungkräfte verfügt, die es zu unterstützen gilt, ist eine schöne Sichtweise und für mich absolut wahr. War ich am Anfang der Ausbildung selber skeptisch, ist es heute umso eindrucksvoller, wie viel Vitalität man im menschlichen Organismus wahrnehmen kann, aber auch wie eingeschränkt eben jene aus unterschiedlichen Gründen sein kann (Stress, Medikamente, Traumata etc.). Es ist spannend, dass man für jede Patientin / jeden Patienten unterschiedliche Werkzeuge benötigt, um ihn zu unterstützen. Benötigt man bei dem einen nur sehr weiche Techniken, um Regulationsprozesse anzustoßen, braucht der nächste vielleicht eine chiropraktische Maßnahme. Ich glaube, dass die Osteopathie für immer mehr Patientinnen und Patienten die Chance ist, sich selbst und seine Bedürfnisse während einer Behandlungsfolge kennen zu lernen. Viele verstehen, dass es nicht nur darum geht, akuten Beschwerden zu begegnen, sondern dauerhaft seine eigene Mitte zu finden, zu verstehen, warum Bewegung wichtig ist, was gesunde Ernährung mit dem Organismus macht.

Ein Schwachpunkt der Osteopathie in Deutschland ist, dass die Qualität nicht gesichert ist. Die Berufsbezeichnung „Osteopath“ ist nicht geschützt, die Ausbildung nicht einheitlich geregelt. Es ist gut, dass es Therapeutenlisten gibt, die Osteopathen mit einer Mindestanzahl an Ausbildungsstunden führen. Und trotzdem ist dadurch nicht gewährleistet, dass der jeweilige Therapeut die Osteopathie als Philosophie verstanden hat. Ich finde es sehr wichtig, dass die Osteopathie nicht als manualtherapeutische Ergänzung betrachtet und ausgeführt wird.

 

Was möchtest du in deiner Zeit in der Heil- und Chiropraxis für dich persönlich erreichen bzw. in welchen Bereichen möchtest du dich noch besonders weiterentwickeln?! Welche Vorteile siehst du in der interdisziplinären Arbeit, so wie sie in der Heil- und  Chiropraxis angeboten wird ?

Ich plane zwar jeden Tag und jede Woche, aber weiter denke ich noch nicht. Während der Ausbildung habe ich gelernt, dass die Dinge kommen, wie sie kommen (auch wenn das nicht immer leicht zu akzeptieren ist). Vor der Arbeit mit Kindern habe ich sehr viel Respekt. Wir haben uns zwar im 10. Semester ausschließlich diesem Bereich gewidmet, aber ich möchte gerne noch viel mehr wissen, so dass ich mich für eine zweijährige Kinderosteopathieausbildung entschieden habe.

Interdisziplinär zu arbeiten und vor allem direkt vor Ort bietet viele Möglichkeiten. Aus Sicht der Osteopathie geht es darum, die oben angesprochenen Regulationsprozesse eines jeden zu unterstützen. Ich glaube, je besser ein Mensch in seiner eigenen Mitte ist, desto besser sind seine Kompensationsmöglichkeiten. Um diesen Zustand zu erreichen ist es sehr sinnvoll, auch auf biochemischer und/oder psychischer Ebene Hilfestellungen zu geben, wenn dies nötig ist. Das umfangreiche Bewegungsangebot ergänzt die osteopathische Arbeit perfekt, und es kann individuell eruiert werden, welche Art von Bewegung der jeweilige Mensch benötigt.

 

Was interessiert dich neben der Osteopathie besonders?

Seit 2002 mache ich Triathlon, was relativ viel Zeit neben der Arbeit in Anspruch nimmt. Ich freue mich aber auch, wenn ich mal ein gutes Buch finde und es wie früher abends unter der Bettdecke in einem Rutsch durchlesen kann. Alternativ begeistern mich Serien – da wird auch ab und zu in einem Rutsch eine Staffel durchgeschaut.

 

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