Mittelmeerküche als Mittel gegen Sodbrennen?

Heute veröffentlichen wir mit Freude einen Gastartikel von Thomas Werner zum Thema „Mittelmeerküche als Mittel gegen Sodbrennen?“. Wer von Sodbrennen betroffenen ist, der weiß, wie unangenehm der dabei auftretende Schmerz hinter dem Brustbein ist. Der Artikel beschäftigt sich mit dem Einfluss unserer Ernährung auf das Sodbrennen und nimmt dabei speziell die Mittelmeerküche in den Blick.

Sodbrennen und saures Aufstoßen sind mögliche Anzeichen für die sogenannte Refluxkrankheit. Es steigen dabei Magensäure oder saurer Magenbrei in die Speiseröhre und sogar bis in den Rachen auf und sorgen für den typischen brennendenn Schmerz hinter dem Brustbein. Das ist nicht nur unangenehm und lästig, langfristig können die schmerzhaften Symptome die Speiseröhre sogar derartig stark schädigen, dass dies im schlimmsten Falle einen Speiseröhrenkrebs nach sich ziehen kann. Sodbrennen – oft als „lästige“ Volkskrankheit abgetan, sollte also keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden.

 

Sodbrennen – typische Auslöser

Ursachen und Auslöser gibt es viele. Dazu gehören unter anderem übermäßig opulente oder späte Mahlzeiten, saure, scharfe und fettige Speisen, Nikotingenuss, Alkohol, Stress, Übergewicht, sowie das Einnehmen bestimmter Medikamente – um nur einige zu nennen.

Falls Sie selbst regelmäßig an Sodbrennen leiden sollten, konsultieren Sie bitte auf jeden Fall Ihren Arzt, um den genauen Ursachen in Ihrem spezifischen Fall auf die Spur zu kommen. Nur so ist sichergestellt, dass die für Ihre Situation ideale Therapie vorgenommen und damit Ursachen bekämpft werden – nicht nur Symptome überdeckt.

Eine neue Studie (Oktober 2017) deutet nun aber darauf hin, dass eine mediterrane Ernährungsweise tatsächlich effektiv gegen Sodbrennen helfen könnte. Sollten Sie also lieber Gemüse und Obst essen, anstatt Säureblocker-Medikamente einzunehmen? Die Antwort ist: wahrscheinlich Ja.

Einfluss der Ernährung auf Sodbrennen-Symptome

Der Fakt, dass die generelle Ernährungsweise langfristig das Sodbrennen beeinflusst und eine entscheidende Rolle dabei spielt, es entweder auszulösen, oder eben zu vermeiden (bei richtiger Ernährung), ist relativ bekannt. Neu ist aber die Feststellung, dass bestimmte Lebensmittel als natürliche Mittel gegen akutes Sodbrennen eingesetzt werden können.

Der Studie zufolge hat eine strikte Diät nach den Regeln der Mittelmeerküche genauso gute Aussichten auf Erfolg, dabei die typischen Symptome des Sodbrennens zu bekämpfen, wie die Behandlung mit vielen der klassischen Medikamente. Diese sind darüber hinaus durch ihre Nebenwirkungen häufig gefährlich und können mehr Schaden, als Nutzen anrichten.

Behandelt wird Sodbrennen oftmals mit sogenannten Antazida. Das sind die gängigen Säureblocker, die vorhandene überschüssige Magensäure neutralisieren. Häufig kommen auch Protonenpumpenhemmer zum Einsatz. Diese regeln die Magensäureproduktion schon von vornherein herunter und lassen so erst gar keinen Überschuss entstehen – so die Theorie.

Einen größeren, obgleich schwieriger zu erreichenden, Effekt kann aber auch eine grundlegende Änderung des Lebensstils zur Folge haben. Häufig wird Betroffenen im Internet und auch durch Mediziner dazu geraten, Alkohol, Kaffee, sowei sehr fettiges und scharfes Essen zu meiden.

Eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler um den Leiter der Hals-Nasen-Ohren Abteilung des Northwell Health Phelps Krankenhauses (New York), Dr. Craig Zalvan , hat nun untersucht, ob auch eine Umstellung der Ernährung allein als Mittel gegen Sodbrennen und saures Aufstoßen eingesetzt werden kann – ganz natürlich und ohne Medikamente. Der Fokus der Forscher galt dabei der, oft als besonders gesund geltenden, Mittelmeerkost.

Die Studie – strenge Mittelmeer-Diät

„Obwohl gängige Medikamente durchaus vielen Patienten helfen, meine ich, dass die medikamentöse Behandlung nicht der einzig richtige Weg zur Behandlung von Reflux und Sodbrennen sein kann, gerade da Pharmaka wie Protonenpumpenhemmer teils erhebliche bedenkliche Nebenwirkungen mit sich bringen.“, sagt Dr. Zalvan.

Ziel der hier vorgestellten Studie war es also, herauszufinden ob sich die Symptome der Refluxkrankheit auch gänzlich ohne Einnahme von Medikamenten merklich lindern ließen.

Das Wissen darum, dass die mediterrane Ernährungsweise mit ihrem hohen Anteil an Getreide, Gemüse und Obst, sowie dem weitestgehenden Fehlen tierischer Fette – ins Besondere von rotem Fleisch – bereits zur Behandlung anderer chronischer Krankheiten erforscht wurde (Studien 1, 2, 3, 4, 5, 6) brachte den Mediziner auf den Gedanken, dies auch bei seinen Patienten zu erproben.

Für die vorliegende Studie wurden 99 Patienten ausgewählt, die an „Laryngitis gastrica“ leiden, einer besonderen Art der sogenannten Refluxkrankheit. Ihnen wurde eine strenge Diät auferlegt, die sich nach den Prinzipien der mediterranen Küche richtet. In die mediterrane Küche gehören, wie erwähnt, auf jeden Fall viel Salat, Gemüse und vorwiegend pflanzliche Fette.

Zusätzlich mussten die Studienteilnehmer basisches Wasser trinken und auch sonst die als „normal“ geltenden vorbeugenden Maßnahmen gegen Sodbrennen beachten. Das bedeutet, die Patienten mussten während der Untersuchung auf Alkohol, Kaffee, Nikotin, sehr scharfe Speisen usw verzichten.

Eine 85 Personen umfassende Kontrollgruppe behandelte ihre Erkrankung einfach standardmäßig mit Medikamenten. Auch die Kontrollgruppe musste hierbei darauf achten, auf mögliche Auslöser für Sodbrennen, wie fettreiche und scharfe Nahrung, sowie Nikotin, Alkohol und Kaffee zu verzichten.

Ergebnisse – Deutliche Linderung der Beschwerden

Die Forscher untersuchten, wie sich die Symptome der Studienteilnehmer über einen Zeitraum von 6 Wochen entwickelten. Die Ergebnisse scheinen dabei ziemlich eindeutig zu sein – sie deuten alle auf einen Fakt hin: Die Mittelmeerküche scheint genauso positiv auf die typischen Symptome zu wirken, wie die gängigen Medikamente. Tatsächlich wirkte die pflanzliche Diät während des Studienverlaufs sogar deutlich besser, als es die teuren Medikamente taten.

So erzielten in der Kontrollgruppe (medikamentöse Behandlung) etwa 54 Prozent der Teilnehmer eine signifikante Besserung ihrer Symptome, während in der Mittelmeer-Diät-Gruppe 63 Prozent der Teilnehmer eine klinisch relevante Besserung der Symptome feststellen konnten. Ein Unterschied von 9 Prozentpunkten ist hier absolut erwähnenswert.

Durchschnittlich nahmen die Beschwerden der Teilnehmer der Kontrollgruppe dabei um 30 Prozent ab. Die Symptomeschwere der Mittelmeergruppe besserte sich hingegen um rund 40 Prozentpunkte – ebenfalls ein signifikanter Unterschied von 10 Prozent zwischen den beiden Teilnehmergruppen.

Von der mediterranen Kost profitierten die Patienten auch zusätzlich noch in weiterer Hinsicht, wie Dr. Zalvan anmerkt: „Die Patienten verloren an Gewicht und konnten so ihre Cholesterin- und Blutdruckwerte – quasi beiläufig – ebenfalls verbessern“.

Fazit – Geringere Kosten und weniger Nebenwirkungen

Wie aussagefähig die Ergebnisse dieserer Studie letztlich sind, müssen erst noch weitere Untersuchungen zum Thema zeigen. „Trotz alledem legen unsere Ergebnisse nahe, dass eine pflanzenbasierte Diät eine mögliche Option zur Behandlung von Sodbrennen darstellen kann. Diese Therapieform kostet einen Bruchteil der klassischen medikamentösen Behandlung, vermeidet viele von deren Risiken und Nebenwirkungen und beschert den Patienten quasi als Bonus, zusätzlich die Vorteile einer allgemein gesunden Ernährung“, so Dr. Zalvan.

Wenn Sie dies selbst ausprobieren möchten, können Sie natürlich selbst zu allererst einige leckere Rezepte aus der Mittelmerrküche auszuprobieren. Oder, wenn die Zeit knapp bemessen sein sollte, gibt es hier einen leckeren Anti-Sodbrennen-Smoothie, basierend auf zwei weiteren 2017-er Studien, welche ebenfalls extrem positive Effekte bestimmter (auch generell sehr gesunder) Gemüsesorten auf Sodbrennen und Reflux festgestellt haben.

ImPrinzip ist das ja aber alles Nichts Neues. Die Wissenschaft hat nachträglich nur bestätigt, was Oma schon immer wusste: dass man sein Gemüse aufessen soll und ein Apfel am Tag den Doktor fern hält.

 

 

Quellen:

1 – Craig H. Zalvan, MD1; Shirley Hu, MD2; Barbara Greenberg, MSc, PhD3; et al; A Comparison of Alkaline Water and Mediterranean Diet vs Proton Pump Inhibition for Treatment of Laryngopharyngeal Reflux; in: JAMA Otolaryngol Head Neck Surg. 2017;143(10):1023-1029. doi:10.1001/jamaoto.2017.1454

2 – Vandana Panda, Priyanka Shinde, Jyoti Deora, Pankaj Gupta – A comparative study of the antacid effect of some commonly consumed foods for hyperacidity in an artificial stomach model; in: Complementary Therapies in Medicine, 2017-10-01, Volume 34, Pages 111-115, Elsevier Ltd., https://doi.org/10.1016/j.ctim.2017.08.002

 

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